Nachmittag der interkulturellen Begegnung

Kennen Sie „Ten Bosche“, das Hofschaftsmuseum Haus am Busch?
Es liegt in ländlicher Idylle am Buscher Feld; von dort geht der Blick weit übers Tal bis nach Remscheid. Die Vögel zwitschern, glückliche Hühner gackern auf der Wiese.
Frau Kotthaus-Heitzer wohnt mit ihrer Familie in diesem Haus; sie erzählte uns wie das 350 Jahre alte Fachwerkhaus vor 20 Jahren zum Museum wurde.
Ihre Oma hatte alle möglichen Dinge aufgehoben, Nachlässe der Familie verwahrt, scheinbar nie etwas weggeschmissen. Ihre Enkelin hat später das Haus übernommen, die „Sammlung“ herausgeputzt, geordnet und beschlossen „etwas draus zu machen“.

Bei unserem Eintreffen begrüßte uns eine Tafel mit „Herzlich willkommen“. Und man fühlt sich wirklich willkommen und hat auch gleich ein vertrautes Gefühl sobald man durch das Tor in den bezaubernden Innenhof geht. Erinnerungen werden geweckt.

Waschbrett, Bütt, Eimer und Wringmaschine stehen dort, versehen mit liebevoll erklärenden Schildchen. Hinten knöpfbare Unterhosen mit Spitze hängen auf der Leine. Der alte Brunnen führt noch immer Wasser und Herr Kontogiannis pumpte kraftvoll einen Eimer voll.
Nach einer kleinen Erfrischung, und vielen von einem Augenzwinkern begleiteten Informationen, ging es in die kühlen Kellerräume mit ihren mächtigen Wänden. In einem davon ist noch eine Schießscharte zu sehen. Im Eiskeller stehen heute Butterfass, Krautfass, Kochkiste…. zu allem weiß Frau Kotthaus-Heitzer eine Geschichte.
Dann ging´s die alten Steinstufen hinauf in die Küche. Von dort stiegen wir in den Obstkeller hinunter, ausgerüstet mit Laterne und Kassettenrecorder.
Darauf hatte Frau Kotthaus-Heitzer die Geschichte der Wiedertäufer in Solingen gesprochen, die auch mit der Hofschaft zum Busch verbunden ist. Die Wiedertäufer wurden Anfang des 18. Jahrhunderts wegen Verweigerung der Kindstaufe und Eidesschwurs angeklagt, 1717 zum Gericht in Düsseldorf verbracht, und nach langen Verhören verurteilt zu Festungshaft und Zwangsarbeit in Jülich.
Während wir mit einem gewissen Gruseln diese Geschichte hörten, hatte Frau Kotthaus-Heitzer Kaffee gekocht und eine leckere kleine Bergische Kaffeetafel für uns vorbereitet.
Dabei hörten wir vom Uropa Karl Clauberg, der viele wichtige Berufe zur gleichen Zeit ausübte, Förster, Metzger, Brunnenwart, Ackerer (Landwirt) und Sprengmeister.
Wir durften durch alle Räume gehen, konnten mit allen Sinnen eintauchen in die Vergangenheit. Gesammelte Knöpfe in die Hand nehmen, mit der Hand über Stoffe und Kleider streichen, eingewecktes Obst und Gemüse bewundern, und so vieles mehr.

Das Schönste aber ist es Frau Kotthaus-Heitzer beim Erzählen zuzuhören. Mit Witz und Herz erzählte Geschichte und liebevolle Anekdötchen rund um das Haus am Busch und seine Bewohner, ihre Familiengeschichte. Begleitet vom Zeigen und Erklären vielerlei alter Alltagsgegenstände.

Ganz herzlichen Dank. Dieser Ausflug verdient ✰✰✰✰✰.